1. Ankommen in Cairns – und sofort in der Realität Australiens stehen
Wir sind am 6. November früh in Cairns gelandet – völlig übermüdet, aber neugierig. Nach dem Frühstück ging’s direkt los in die Stadt. Cairns fühlte sich sofort tropisch an: riesige Ficus-Bäume, Parkanlagen, Vogelgezwitscher, Palmen, alles grün und dicht und feucht.

Und man merkt sofort: Die Stadt ist auf Outdoor ausgelegt. Grillplätze, Picknicktische, überall öffentliche Toiletten (alle sauber!), und man kann sich wirklich gut zurechtfinden.
Im Meer baden darf man nicht – Quallen. Also gibt’s die berühmte Lagune, direkt am Strand, kostenlos, wunderschön.

Und da spielen sich die Nachmittage ab: Familien, Backpacker, ältere Paare, alle im und am Wasser.
Im Shoppingcenter haben wir direkt etwas Wichtiges geregelt: neue Sonnenbrillen mit Sehstärke. Unsere alten hatten einen „Sonnenbrand“ – die Tönung kaputt, Schutz futsch. Die neuen holen wir später an der Gold Coast ab. Super Service!

Was uns aber gleich am ersten Tag die Laune etwas gedrückt hat: die Preise. 18–20 € für eine Pizza, 6 € für ein kleines Bier. Und wir kamen ja direkt aus Indonesien, wo alles extrem günstig war. Australien ist da eine völlig andere Welt – mindestens 20 % teurer als Deutschland. Wir hatten wirklich so einen Moment von: „Oh Gott… wie sollen wir das die nächsten Wochen überleben?“ Gleichzeitig setzt irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein. Dann zahlt man die Preise einfach und hört auf, sich darüber zu ärgern.
Ein wirklich schöner Abend war im Salt House, direkt am Hafen. Groß, modern, DJane mit guter Musik, Füße hoch, lecker gegessen – genau der richtige Einstieg.
2. Planänderung: Statt Kuranda ging’s in den Daintree Rainforest
Nachdem wir die 4 Tage in Cairns wirklich genossen haben, ging es nun an der Ostküste Australiens mit dem Camper weiter.

Am 10.11. haben wir morgens unseren Camper – einen Jucy – abgeholt. Der Jucy war gut ausgestattet. Er hatte 4 Schlafplätze, eine Toilette, die wir allerdings nicht genutzt haben, natürlich einen Kühlschrank und 2 Kochstellen. Im Großen und Ganzen waren wir sehr zufrieden, allerdings war er etwas untermotorisiert.
Unsere ursprünglich gebuchte Kuranda-Zugfahrt fiel aus, weil eine Brücke kaputt war. Das war schade, aber ab da hat Australien einfach entschieden, uns Regenwald pur vorzusetzen.
Der Daintree Rainforest war eine kleine Fahrt entfernt – aber eine tolle: Küstenstraße, Meer, dann immer dichterer Regenwald. Am Ende eine kurze Überfahrt mit der Autofähre über den Daintree River. Der Alexandra Lookout war ein riesiges Panorama aus Grün und Ozean, benannt nach einer dänischen Königin.
3. Cape Tribulation – und der erste Camping-Overload

Unsere erste Nacht im Naturcamp am Cape Tribulation war… sagen wir mal: intensiv. Anna hatte sofort einen kleinen Breakdown. Verständlich. Das war Campen im echten Regenwald: überall Insekten, nachts Flughunde in den Bäumen, Truthähne laufen über den Platz. Und das war erst der Anfang. Campen ist nicht ihr Favorit.
Die Natur dort ist allerdings wunderschön. Baden darf man nicht – Krokodile. Eine Woche vor unserer Ankunft wurden dort sogar Jugendliche angegriffen. Nicht beruhigend.

Ich habe dann später einen Rainforest Night Walk gemacht. Der Guide erzählte sehr viele Geschichten – manche zoologisch, manche philosophisch. Wir haben Spinnen gesehen (giftig und ungiftig), Frösche, und viel über Kasuare gelernt. Es gibt noch ca. 80 Exemplare im Daintree und ca. 1400 in ganz Australien. Fest steht: uralte Tiere, 60 Millionen Jahre alt, Horn auf dem Kopf, sehen aus wie aus der Dino-Zeit. Einen freien Kasuar haben wir leider nicht gesehen.
Nach zwei Nächten hat es uns gereicht – statt drei. Baden ging kaum, und der einzige „Pool“ war ein schlammiges Waterhole mitten im Wald. Immerhin krokodilsicher.


Palm Cove später war dagegen ein echtes Schmuckstück: Cafés, Strand, entspannt. Diese Mischung aus Meer und Cappuccino macht so viel aus, wenn man das „Mittelmeerfeeling“ als Vergleich im Kopf hat.
4. Mission Beach – ein echtes Highlight
Dann kam unser Lieblingsort: Mission Beach. Ein traumhafter Campingplatz direkt hinter einer Mangrovenreihe, durch die man das Meer sieht und hört. Dieses sanfte Rauschen nachts – unbezahlbar.

Dort haben wir Büne und Sue kennengelernt, ein Schweizer Pärchen. Ein absoluter Glücksgriff. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, über alles Mögliche gesprochen. Büne ist Maler und Musiker – so in der Kategorie Wolfgang Niedecken – also Mundart. Natürlich haben wir uns YouTube-Videos mit seinen Auftritten angesehen. Sehr kreativ, sehr eigen.
Mission Beach war dadurch doppelt schön – wegen der Landschaft und wegen dieser Begegnung.
Eine Australierin erzählte, dass sie morgens mehrere Kasuare gesehen habe. Für Mission Beach völlig normal. Wir natürlich wieder nicht. Am 2. Tag kamen 4 australische Familien, um hier einen Geburtstag zu feiern.
Ihre Gespanne nahmen viel Raum ein. Australische Wohnwagen haben manchmal etwas von einem Panzer.

5. Billabong Sanctuary – endlich der erste Kasuar
Unsere nächste Station nach Mission Beach war Townsville.
Der zuerst zugewiesene Platz war eine kleine Kunstrasen-Ecke ohne Schatten – wirklich schlimm. Wir haben sofort gefragt, ob wir wechseln können, und zum Glück bekamen wir dann einen richtig guten Stellplatz: unter einem tollen Baum, etwas größer, richtiger Rasen. Wunderschöne Schmetterlinge und Papageien um uns herum. Das war dann richtig gut.
Townsville selbst hat einen strandnahen öffentlichen Pool, wunderschön angelegt, mit Barbecue-Plätzen, Picknicktischen und Volleyballfeldern.

Außerdem gibt es ein abgesperrtes Schwimmgebiet im Meer – mit einem dichten Schutznetz, damit keine Quallen oder Krokodile reinkommen. So konnte man dort tatsächlich gefahrlos ins Wasser. Insgesamt eine sehr junge, lebendige Atmosphäre.
Am nächsten Tag sind wir ins Billabong Sanctuary gefahren. Das haben wir relativ spontan entschieden.

Natürlich ist das Thema „Zoo oder Sanctuary“ umstritten. Anna: Ich hatte aber das Gefühl, dass sie sich dort wirklich Mühe geben: viel Natur, viel Platz, Pflege gefährdeter Tiere, Rehabilitation – einfach ein sehr respektvoller Umgang. Ich habe es total genossen. Und dort haben wir endlich unseren ersten Kasuar gesehen – unglaublich beeindruckend.

Dazu Kängurus, Krokodile, Dingos, Erdmännchen und unzählige Vogelarten.
Bei den Fütterungen wird viel erklärt, wie die Tiere leben, was sie brauchen. Ein Beispiel, das mich echt überrascht hat: Die größte Gefahr für Koalas sind die Hunde der Menschen, die die Koalas in Gärten angreifen. Viele Koalas überleben solche Angriffe nicht – das war mir vorher völlig unbekannt.
Besonders war auch, wie nah man den Tieren kommen konnte, ohne diesen übergriffigen „Foto-mit-Koala“-Zirkus. Wir haben keinen auf den Arm genommen, brauchen wir nicht. Aber so dicht davor zu stehen, vielleicht einen Meter entfernt – das beeindruckt einfach. Ein männlicher Koala hat sogar diese tiefen Brüllgeräusche gemacht. Ganz eigener Moment.
Auch die Kängurus dort: Man kann in die Gehege hinein, relativ nah heran, ein tolles Erlebnis, die Tiere so intensiv beobachten zu können.
6. Cape Hillsborough – Kängurus am Strand
Nächster Stopp: Cape Hillsborough Nature Tourist Park, auch „Känguru-Strand“.
Dort kommen morgens um fünf die Kängurus an den Strand, unterstützt von Rangern, die etwas Futter ausstreuen. Klingt touristisch, war aber trotzdem völlig okay. Und es ist eindrucksvoll.
Auf dem Campingplatz selbst liefen Kängurus frei herum. Unter unserem Hibiskusbaum fraßen sie die Blüten auf – teilweise einen Meter neben unseren Stühlen. Das war schon magisch.

Dort gab es auch einen tollen Pool. Wir waren früh morgens dort und haben eine Stunde lang mit einem australischen Rentnerpaar gesprochen. Sie hatten ein Kabelverlege-Unternehmen, viel gearbeitet, jetzt früh in Rente. Und das fällt uns in Australien immer wieder auf: Viele Menschen hören schon mit 50 auf zu arbeiten. Sie investieren, besitzen Immobilien, und die Steuerfreibeträge im Ruhestand sind großzügig. Sehr interessant.

7. Yeppoon – nicht hübsch, aber die beste Lagune
In Yeppoon haben wir einen Zwischenstopp gemacht, um die lange Strecke zu unterbrechen. Der Campingplatz war nicht besonders toll, nicht am Meer, ca. 500 m im Landesinneren. Zur Esplanade musste man 45 Minuten laufen – ich habe den Weg trotzdem gemacht.
Yeppoon hat aber etwas, das heraussticht: die Lagune an der Esplanade. Ein riesiges, luxuriöses Poolparadies direkt am Meer. Unglaublich schön. Besser als jeder Hotel-Pool. Dort kann man wirklich stundenlang bleiben.

Der Campingplatz selbst war fast leer, was angenehm war, und die Küche sowie die sanitären Anlagen waren spitze. Endlich mal Ruhe.
8. Agnes Water – bisher unser Lieblingsort
Der Agnes Water Holiday Park war für mich (bisher) der schönste. Toller Strand, man konnte endlich ohne ein Netz im Meer baden. Der Platz war groß, viele Unterkunftsmöglichkeiten, hohe Preise, die Stellplätze waren okay und bezahlbar.
Unsere Nachbarn Corinne und Dave waren super. Beide gaben uns tolle Tipps für Sydney.

Und Dave war es auch, der sagte:
„Ihr müsst unbedingt nach 1770.“
Also sind wir hin – und ja, es war ein optisches Highlight. Wunderschöne Küste, Geschichte, Captain Cook, Kolonialzeit… all das. Ein bisschen wie die Küste der Gardenroute.

Und doch war das Witzigste der kleine Moment, als wir einen Truthahn filmten, der einen angeleinten Hund provozierte, indem er ihm Strandsand ins Gesicht schleuderte. Absurd frech.
9. Burrum Heads – erst enttäuscht, dann okay
Jetzt sind wir in Burrum Heads. Wie immer: Erst enttäuscht, dann gewöhnt man sich, dann gefällt es. Der Stellplatz ist eine Betonplatte, daneben Rasen, der aussieht wie Kunstrasen. Es erinnert eher an Bodensee/Schweiz als an Pazifik.

Die Ordnungsliebe der Australier ist beeindruckend: Laubbläser, alles blitzblank, jedes Blatt wird beseitigt. Aber die sanitären Anlagen hier sind die saubersten und luxuriösesten, die wir bisher hatten.
Bei Ebbe wirkt die Küste wie ein kleines Wattenmeer, viele Menschen spazieren mit ihren Hunden auf dem nassen Sand. Sieht toll aus.

Heute Morgen hat es geschüttet, und viele Familien mussten im Regen abpacken. Ein kleiner Junge schrie: „I don’t wanna go, it is still not enough!“ – und ich habe es total gefühlt.
10. Noosa River Camping (Sunshine Coast) – ein Platz mit zwei Gesichtern
An diesem Tag (24.11.) fuhren wir an die Sunshine Coast nach Noosa. Wie so oft hatten wir etwas Sorge, keinen guten Stellplatz zu bekommen. Am Ende stellte sich diese Sorge jedoch als völlig unbegründet heraus: Wir bekamen Platz Nummer 89, den besten auf dem ganzen Campingplatz – und dazu noch meine absolute Lieblingsnummer, denn 1989 ist mein Jahr.
Nach der Ankunft und der langen Fahrt haben wir erst einmal etwas gegessen und sehr schnell unsere Nachbarn kennengelernt. Es handelte sich um ein Paar, das sein Leben so eingerichtet hat, dass es jeweils ein halbes Jahr in Australien und ein halbes Jahr in den Niederlanden verbringt, woher sie ursprünglich kommen. Sie wirkten fast wie echte Australier, waren extrem gut ausgerüstet und für alles vorbereitet. Der Campingplatz selbst war schön, allerdings fiel uns die Gemeinschaftsküche negativ auf. Sie war leider ziemlich schmutzig: Viele hatten dort gekocht, ohne ordentlich abzuspülen, Essensreste lagen überall. Auch die Grillstationen machten keinen besonders gepflegten Eindruck. Das war das erste Mal auf unserer Reise, dass wir wirklich dachten: Das kann doch nicht wahr sein. Umso erstaunlicher, weil alle bisherigen Campingplätze sehr viel Wert auf Sauberkeit gelegt hatten. Ansonsten war der Platz sehr chillig und auch die Umgebung von Noosa ist wirklich toll. Abends begann es zu regnen. Zwei Stundenlang saßen wir dabei im Camper, hängten unsere Lichterkette auf und öffneten noch ein kleines Fläschchen Wein – ein sehr gemütlicher Abend.


Noosa National Park & Regenwald
Am nächsten Morgen fuhren wir in den Noosa National Park und machten dort zwei kurze Wanderungen. Die erste führte über einen Boardwalk durch den Regenwald. Obwohl der Weg nicht lang war, vermittelte er sofort einen faszinierenden Eindruck: riesige Bäume, gewaltige Palmen und große Farne – alles wirkte fast überwältigend.

Besonders schön fanden wir, dass entlang der Wege viele Informationstafeln aufgestellt waren. So ging man nicht einfach blind durch den Wald, sondern verstand besser, was man dort sah.

Schon nach wenigen Schritten spürte man die hohe Luftfeuchtigkeit: Es legte sich ein feuchter Film auf die Haut, gleichzeitig fühlte sich die Umgebung angenehm kühl an. Traumhaft schön.
Der 2. Weg war ein Coastal Walk, führte also an der Küste entlang.
Plötzlich wurde Anna von einer Feuerameise gebissen. Der Schmerz war so stark, dass sie den Walk an dieser Stelle abbrechen musste. Anna erinnerte sich daran, dass man in so einem Fall eine Zwiebel auflegen soll. Zum Glück hatten wir unseren kleinen Haushalt dabei. Anna holte also eine Zwiebel aus dem Kühlschrank. Der Schmerz hielt zwar noch mehrere Stunden an, ließ aber langsam nach. Trotzdem war das eine sehr unangenehme Erfahrung.
B: Ein besonderer Aussichtspunkt im Nationalpark war der sogenannte Dolphin Point, ein Ort, an dem die Chancen besonders hoch sein sollen, Delfine zu sehen. An diesem Tag hatte ich dort allerdings kein Glück – unsere Delfinbegegnung sollte erst später auf der Reise kommen.


Sunshine Beach & Surfclub
Nachdem Annas Ameisenbiss halbwegs unter Kontrolle war, fuhren wir mit unserem kleinen, geliebten Jucy-Camper weiter zum Sunshine Beach. Den Zugang zu finden war gar nicht so einfach, da alles wie ein normales Wohngebiet aussieht. Am Ende fanden wir jedoch sowohl den Strand als auch einen Surfclub.
Wie so oft in Australien passiert es, dass man auf der Suche nach einer Bar oder Kneipe in einem Club landet, in den man sich zunächst einschreiben muss. Dieser Surfclub war allerdings großartig: tolle Atmosphäre, gutes Essen und eine richtig angenehme Stimmung.
Zurück auf dem Campingplatz konnten wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang am Flussufer erleben. Danach begannen wir, für den nächsten Tag zu packen, denn wir mussten den Jucy abgeben.


Schlüssel-Drama & Abschied vom Juicy
Am nächsten Morgen dann der Schreck: Berthold konnte plötzlich die Schlüssel nicht mehr finden. Wir suchten erst in allen Taschen, dann systematisch überall. Schließlich erinnerten wir uns daran, dass wir am Vorabend am Flussufer im Sand gesessen hatten. B: Ich trug eine Adidas-Sporthose, aus deren Taschen schon mal schnell etwas herausrutschen kann.

Zum Glück fanden wir den Schlüssel dort tatsächlich wieder. Die Aufregung dauerte etwa eine halbe Stunde – aber wir waren extrem erleichtert. Denn hätten wir den Schlüssel verloren, hätten wir allein für das Öffnen und den Austausch des Schlosses mit mindestens 250 Dollar rechnen müssen.
Am nächsten Tag gaben wir den Juicy problemlos ab. Man musste ihn nur abstellen und konnte direkt weiterfahren. Danach ging es für uns weiter nach Brisbane, ins Brisbane One Cllix.
Australien Ostküste Teil 2 – Mit dem Mietwagen von Brisbane nach Sydney (26.11. bis 15.12.)


































































