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  • Australien Ostküste Teil 1 – Mit dem Jucy-Camper von Cairns nach Brisbane (6. bis 26.11.)

    Wir sind am 6. November früh in Cairns gelandet – völlig übermüdet, aber neugierig. Nach dem Frühstück ging’s direkt los in die Stadt. Cairns fühlte sich sofort tropisch an: riesige Ficus-Bäume, Parkanlagen, Vogelgezwitscher, Palmen, alles grün und dicht und feucht.

    Und man merkt sofort: Die Stadt ist auf Outdoor ausgelegt. Grillplätze, Picknicktische, überall öffentliche Toiletten (alle sauber!), und man kann sich wirklich gut zurechtfinden.

    Im Meer baden darf man nicht – Quallen. Also gibt’s die berühmte Lagune, direkt am Strand, kostenlos, wunderschön.

    Und da spielen sich die Nachmittage ab: Familien, Backpacker, ältere Paare, alle im und am Wasser.

    Im Shoppingcenter haben wir direkt etwas Wichtiges geregelt: neue Sonnenbrillen mit Sehstärke. Unsere alten hatten einen „Sonnenbrand“ – die Tönung kaputt, Schutz futsch. Die neuen holen wir später an der Gold Coast ab. Super Service!

    Aussuchen des Brillengestells

    Was uns aber gleich am ersten Tag die Laune etwas gedrückt hat: die Preise. 18–20 € für eine Pizza, 6 € für ein kleines Bier. Und wir kamen ja direkt aus Indonesien, wo alles extrem günstig war. Australien ist da eine völlig andere Welt – mindestens 20 % teurer als Deutschland. Wir hatten wirklich so einen Moment von: „Oh Gott… wie sollen wir das die nächsten Wochen überleben?“ Gleichzeitig setzt irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein. Dann zahlt man die Preise einfach und hört auf, sich darüber zu ärgern.

    Ein wirklich schöner Abend war im Salt House, direkt am Hafen. Groß, modern, DJane mit guter Musik, Füße hoch, lecker gegessen – genau der richtige Einstieg.

    Nachdem wir die 4 Tage in Cairns wirklich genossen haben, ging es nun an der Ostküste Australiens mit dem Camper weiter.

    Am 10.11. haben wir morgens unseren Camper – einen Jucy – abgeholt. Der Jucy war gut ausgestattet. Er hatte 4 Schlafplätze, eine Toilette, die wir allerdings nicht genutzt haben, natürlich einen Kühlschrank und 2 Kochstellen. Im Großen und Ganzen waren wir sehr zufrieden, allerdings war er etwas untermotorisiert.

    Unsere ursprünglich gebuchte Kuranda-Zugfahrt fiel aus, weil eine Brücke kaputt war. Das war schade, aber ab da hat Australien einfach entschieden, uns Regenwald pur vorzusetzen.

    Der Daintree Rainforest war eine kleine Fahrt entfernt – aber eine tolle: Küstenstraße, Meer, dann immer dichterer Regenwald. Am Ende eine kurze Überfahrt mit der Autofähre über den Daintree River. Der Alexandra Lookout war ein riesiges Panorama aus Grün und Ozean, benannt nach einer dänischen Königin.

    Unsere erste Nacht im Naturcamp am Cape Tribulation war… sagen wir mal: intensiv. Anna hatte sofort einen kleinen Breakdown. Verständlich. Das war Campen im echten Regenwald: überall Insekten, nachts Flughunde in den Bäumen, Truthähne laufen über den Platz. Und das war erst der Anfang. Campen ist nicht ihr Favorit.

    Die Natur dort ist allerdings wunderschön. Baden darf man nicht – Krokodile. Eine Woche vor unserer Ankunft wurden dort sogar Jugendliche angegriffen. Nicht beruhigend.

    Ich habe dann später einen Rainforest Night Walk gemacht. Der Guide erzählte sehr viele Geschichten – manche zoologisch, manche philosophisch. Wir haben Spinnen gesehen (giftig und ungiftig), Frösche, und viel über Kasuare gelernt. Es gibt noch ca. 80 Exemplare im Daintree und ca. 1400 in ganz Australien. Fest steht: uralte Tiere, 60 Millionen Jahre alt, Horn auf dem Kopf, sehen aus wie aus der Dino-Zeit. Einen freien Kasuar haben wir leider nicht gesehen.

    Nach zwei Nächten hat es uns gereicht – statt drei. Baden ging kaum, und der einzige „Pool“ war ein schlammiges Waterhole mitten im Wald. Immerhin krokodilsicher.

    Palm Cove später war dagegen ein echtes Schmuckstück: Cafés, Strand, entspannt. Diese Mischung aus Meer und Cappuccino macht so viel aus, wenn man das „Mittelmeerfeeling“ als Vergleich im Kopf hat.

    Dann kam unser Lieblingsort: Mission Beach. Ein traumhafter Campingplatz direkt hinter einer Mangrovenreihe, durch die man das Meer sieht und hört. Dieses sanfte Rauschen nachts – unbezahlbar.

    Dort haben wir Büne und Sue kennengelernt, ein Schweizer Pärchen. Ein absoluter Glücksgriff. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, über alles Mögliche gesprochen. Büne ist Maler und Musiker – so in der Kategorie Wolfgang Niedecken – also Mundart. Natürlich haben wir uns YouTube-Videos mit seinen Auftritten angesehen. Sehr kreativ, sehr eigen.

    Mission Beach war dadurch doppelt schön – wegen der Landschaft und wegen dieser Begegnung.

    Eine Australierin erzählte, dass sie morgens mehrere Kasuare gesehen habe. Für Mission Beach völlig normal. Wir natürlich wieder nicht. Am 2. Tag kamen 4 australische Familien, um hier einen Geburtstag zu feiern.

    Ihre Gespanne nahmen viel Raum ein. Australische Wohnwagen haben manchmal etwas von einem Panzer.

    Unsere nächste Station nach Mission Beach war Townsville.

    Der zuerst zugewiesene Platz war eine kleine Kunstrasen-Ecke ohne Schatten – wirklich schlimm. Wir haben sofort gefragt, ob wir wechseln können, und zum Glück bekamen wir dann einen richtig guten Stellplatz: unter einem tollen Baum, etwas größer, richtiger Rasen. Wunderschöne Schmetterlinge und Papageien um uns herum. Das war dann richtig gut.

    Townsville selbst hat einen strandnahen öffentlichen Pool, wunderschön angelegt, mit Barbecue-Plätzen, Picknicktischen und Volleyballfeldern.

    Außerdem gibt es ein abgesperrtes Schwimmgebiet im Meer – mit einem dichten Schutznetz, damit keine Quallen oder Krokodile reinkommen. So konnte man dort tatsächlich gefahrlos ins Wasser. Insgesamt eine sehr junge, lebendige Atmosphäre.

    Am nächsten Tag sind wir ins Billabong Sanctuary gefahren. Das haben wir relativ spontan entschieden.

    Natürlich ist das Thema „Zoo oder Sanctuary“ umstritten. Anna: Ich hatte aber das Gefühl, dass sie sich dort wirklich Mühe geben: viel Natur, viel Platz, Pflege gefährdeter Tiere, Rehabilitation – einfach ein sehr respektvoller Umgang. Ich habe es total genossen. Und dort haben wir endlich unseren ersten Kasuar gesehen – unglaublich beeindruckend.

    Dazu Kängurus, Krokodile, Dingos, Erdmännchen und unzählige Vogelarten.

    Bei den Fütterungen wird viel erklärt, wie die Tiere leben, was sie brauchen. Ein Beispiel, das mich echt überrascht hat: Die größte Gefahr für Koalas sind die Hunde der Menschen, die die Koalas in Gärten angreifen. Viele Koalas überleben solche Angriffe nicht – das war mir vorher völlig unbekannt.

    Besonders war auch, wie nah man den Tieren kommen konnte, ohne diesen übergriffigen „Foto-mit-Koala“-Zirkus. Wir haben keinen auf den Arm genommen, brauchen wir nicht. Aber so dicht davor zu stehen, vielleicht einen Meter entfernt – das beeindruckt einfach. Ein männlicher Koala hat sogar diese tiefen Brüllgeräusche gemacht. Ganz eigener Moment.

    Auch die Kängurus dort: Man kann in die Gehege hinein, relativ nah heran, ein tolles Erlebnis, die Tiere so intensiv beobachten zu können.

    Nächster Stopp: Cape Hillsborough Nature Tourist Park, auch „Känguru-Strand“.

    Dort kommen morgens um fünf die Kängurus an den Strand, unterstützt von Rangern, die etwas Futter ausstreuen. Klingt touristisch, war aber trotzdem völlig okay. Und es ist eindrucksvoll.

    Auf dem Campingplatz selbst liefen Kängurus frei herum. Unter unserem Hibiskusbaum fraßen sie die Blüten auf – teilweise einen Meter neben unseren Stühlen. Das war schon magisch.

    Dort gab es auch einen tollen Pool. Wir waren früh morgens dort und haben eine Stunde lang mit einem australischen Rentnerpaar gesprochen. Sie hatten ein Kabelverlege-Unternehmen, viel gearbeitet, jetzt früh in Rente. Und das fällt uns in Australien immer wieder auf: Viele Menschen hören schon mit 50 auf zu arbeiten. Sie investieren, besitzen Immobilien, und die Steuerfreibeträge im Ruhestand sind großzügig. Sehr interessant.

    In Yeppoon haben wir einen Zwischenstopp gemacht, um die lange Strecke zu unterbrechen. Der Campingplatz war nicht besonders toll, nicht am Meer, ca. 500 m im Landesinneren. Zur Esplanade musste man 45 Minuten laufen – ich habe den Weg trotzdem gemacht.

    Yeppoon hat aber etwas, das heraussticht: die Lagune an der Esplanade. Ein riesiges, luxuriöses Poolparadies direkt am Meer. Unglaublich schön. Besser als jeder Hotel-Pool. Dort kann man wirklich stundenlang bleiben.

    Der Campingplatz selbst war fast leer, was angenehm war, und die Küche sowie die sanitären Anlagen waren spitze. Endlich mal Ruhe.

    Der Agnes Water Holiday Park war für mich (bisher) der schönste. Toller Strand, man konnte endlich ohne ein Netz im Meer baden. Der Platz war groß, viele Unterkunftsmöglichkeiten, hohe Preise, die Stellplätze waren okay und bezahlbar.

    Unsere Nachbarn Corinne und Dave waren super. Beide gaben uns tolle Tipps für Sydney.

    Und Dave war es auch, der sagte:

    „Ihr müsst unbedingt nach 1770.“

    Also sind wir hin – und ja, es war ein optisches Highlight. Wunderschöne Küste, Geschichte, Captain Cook, Kolonialzeit… all das. Ein bisschen wie die Küste der Gardenroute.

    Und doch war das Witzigste der kleine Moment, als wir einen Truthahn filmten, der einen angeleinten Hund provozierte, indem er ihm Strandsand ins Gesicht schleuderte. Absurd frech.

    Jetzt sind wir in Burrum Heads. Wie immer: Erst enttäuscht, dann gewöhnt man sich, dann gefällt es. Der Stellplatz ist eine Betonplatte, daneben Rasen, der aussieht wie Kunstrasen. Es erinnert eher an Bodensee/Schweiz als an Pazifik.

    Die Ordnungsliebe der Australier ist beeindruckend: Laubbläser, alles blitzblank, jedes Blatt wird beseitigt. Aber die sanitären Anlagen hier sind die saubersten und luxuriösesten, die wir bisher hatten.

    Bei Ebbe wirkt die Küste wie ein kleines Wattenmeer, viele Menschen spazieren mit ihren Hunden auf dem nassen Sand. Sieht toll aus.

    Heute Morgen hat es geschüttet, und viele Familien mussten im Regen abpacken. Ein kleiner Junge schrie: „I don’t wanna go, it is still not enough!“ – und ich habe es total gefühlt.

    An diesem Tag (24.11.) fuhren wir an die Sunshine Coast nach Noosa. Wie so oft hatten wir etwas Sorge, keinen guten Stellplatz zu bekommen. Am Ende stellte sich diese Sorge jedoch als völlig unbegründet heraus: Wir bekamen Platz Nummer 89, den besten auf dem ganzen Campingplatz – und dazu noch meine absolute Lieblingsnummer, denn 1989 ist mein Jahr.

    Nach der Ankunft und der langen Fahrt haben wir erst einmal etwas gegessen und sehr schnell unsere Nachbarn kennengelernt. Es handelte sich um ein Paar, das sein Leben so eingerichtet hat, dass es jeweils ein halbes Jahr in Australien und ein halbes Jahr in den Niederlanden verbringt, woher sie ursprünglich kommen. Sie wirkten fast wie echte Australier, waren extrem gut ausgerüstet und für alles vorbereitet. Der Campingplatz selbst war schön, allerdings fiel uns die Gemeinschaftsküche negativ auf. Sie war leider ziemlich schmutzig: Viele hatten dort gekocht, ohne ordentlich abzuspülen, Essensreste lagen überall. Auch die Grillstationen machten keinen besonders gepflegten Eindruck. Das war das erste Mal auf unserer Reise, dass wir wirklich dachten: Das kann doch nicht wahr sein. Umso erstaunlicher, weil alle bisherigen Campingplätze sehr viel Wert auf Sauberkeit gelegt hatten. Ansonsten war der Platz sehr chillig und auch die Umgebung von Noosa ist wirklich toll. Abends begann es zu regnen. Zwei Stundenlang saßen wir dabei im Camper, hängten unsere Lichterkette auf und öffneten noch ein kleines Fläschchen Wein – ein sehr gemütlicher Abend.

    Am nächsten Morgen fuhren wir in den Noosa National Park und machten dort zwei kurze Wanderungen. Die erste führte über einen Boardwalk durch den Regenwald. Obwohl der Weg nicht lang war, vermittelte er sofort einen faszinierenden Eindruck: riesige Bäume, gewaltige Palmen und große Farne – alles wirkte fast überwältigend.

    Besonders schön fanden wir, dass entlang der Wege viele Informationstafeln  aufgestellt waren. So ging man nicht einfach blind durch den Wald, sondern verstand besser, was man dort sah.

    Schon nach wenigen Schritten spürte man die hohe Luftfeuchtigkeit: Es legte sich ein feuchter Film auf die Haut, gleichzeitig fühlte sich die Umgebung angenehm kühl an. Traumhaft schön.

    Der 2. Weg war ein Coastal Walk, führte also an der Küste entlang.

    Plötzlich wurde Anna von einer Feuerameise gebissen. Der Schmerz war so stark, dass sie den Walk an dieser Stelle abbrechen musste. Anna erinnerte sich daran, dass man in so einem Fall eine Zwiebel auflegen soll. Zum Glück hatten wir unseren kleinen Haushalt dabei. Anna holte also eine Zwiebel aus dem Kühlschrank. Der Schmerz hielt zwar noch mehrere Stunden an, ließ aber langsam nach. Trotzdem war das eine sehr unangenehme Erfahrung.

    B: Ein besonderer Aussichtspunkt im Nationalpark war der sogenannte Dolphin Point, ein Ort, an dem die Chancen besonders hoch sein sollen, Delfine zu sehen. An diesem Tag hatte ich dort allerdings kein Glück – unsere Delfinbegegnung sollte erst später auf der Reise kommen.

    Sunshine Beach & Surfclub

    Nachdem Annas Ameisenbiss halbwegs unter Kontrolle war, fuhren wir mit unserem kleinen, geliebten Jucy-Camper weiter zum Sunshine Beach. Den Zugang zu finden war gar nicht so einfach, da alles wie ein normales Wohngebiet aussieht. Am Ende fanden wir jedoch sowohl den Strand als auch einen Surfclub.

    Wie so oft in Australien passiert es, dass man auf der Suche nach einer Bar oder Kneipe in einem Club landet, in den man sich zunächst einschreiben muss. Dieser Surfclub war allerdings großartig: tolle Atmosphäre, gutes Essen und eine richtig angenehme Stimmung.

    Zurück auf dem Campingplatz konnten wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang am Flussufer erleben. Danach begannen wir, für den nächsten Tag zu packen, denn wir mussten den Jucy abgeben. 

    Schlüssel-Drama & Abschied vom Juicy

    Am nächsten Morgen dann der Schreck: Berthold konnte plötzlich die Schlüssel nicht mehr finden. Wir suchten erst in allen Taschen, dann systematisch überall. Schließlich erinnerten wir uns daran, dass wir am Vorabend am Flussufer im Sand gesessen hatten. B: Ich trug eine Adidas-Sporthose, aus deren Taschen schon mal schnell etwas herausrutschen kann.

    Zum Glück fanden wir den Schlüssel dort tatsächlich wieder. Die Aufregung dauerte etwa eine halbe Stunde – aber wir waren extrem erleichtert. Denn hätten wir den Schlüssel verloren, hätten wir allein für das Öffnen und den Austausch des Schlosses mit mindestens 250 Dollar rechnen müssen.

    Am nächsten Tag gaben wir den Juicy problemlos ab. Man musste ihn nur abstellen und konnte direkt weiterfahren. Danach ging es für uns weiter nach Brisbane, ins Brisbane One Cllix.

  • Kuta auf Bali

    Unsere Zeit in Kuta Bali, vom 1. bis 5. November 2025, begann mit der Überfahrt von Gili Air nach Padang Bai und dem bereits im Voraus gebuchten Transfer nach Kuta. Die Fahrt sollte insgesamt 35 €/Person kosten. Wir genossen den weiten Blick auf den Ozean. Auf dem Boot lernte ich einen indischen Anwalt kennen, mit dem ich mich lange unterhielt. Irgendwann fragte ich ihn geradeheraus, ob er reich sei – er sagte lachend „Ja“, er habe 28 Angestellte und sein Büro arbeite für die Regierung. Außerdem erzählte er, dass sie auf dem Hinweg Delfine gesehen hätten. Wir leider nicht.

    Als wir ankamen, ging alles sehr schnell. Agenten kamen direkt aufs Boot, holten uns ab und führten uns zu Sammelpunkten, an denen der Transfer stattfinden sollte.

    Im Nachhinein glaube ich, dass sie uns vor den vielen anderen Anbietern schützen wollten, die dort aggressiv um Kundschaft werben. Der Hafen ist ein richtiger Umschlagplatz, an dem viel Geld mit Transporten verdient wird.

    Obwohl wir den Transfer nach Kuta schon bezahlt hatten, versuchte man, uns erneut zur Kasse zu bitten – und schaffte es auch. Da man uns sagte, wir würden wohl erst gegen 9 Uhr abends (knapp 8 Std. später) im Hotel sein, weil noch weitere Gäste eingesammelt werden müssten, begannen verschiedene Fahrer sofort, uns Taxitransfers anzubieten. Die Preise starteten bei 2 Millionen Rupien, also etwa 100 €. Anna:  Ich musste einfach lachen.

    Dann wurden die Preise immer weiter gesenkt. Am Ende standen 450.000 Rupien im Raum, etwa 23 €. Da wir nicht länger in der prallen Sonne warten wollten, nahmen wir das Angebot an.

    In Kuta angekommen, zogen wir ein erstes Fazit. Das Geschäft mit Touristen läuft hier auf Hochtouren, und vieles ist darauf ausgelegt, möglichst viel Geld zu verdienen.

    Anna hatte ein flughafennahes Hotel herausgesucht – das Harris. Wir buchten es für vier Nächte und waren positiv überrascht. Für rund 35 € pro Nacht bekamen wir ein schönes Hotel mit angenehmer Atmosphäre, einem kleinen, aber völlig ausreichenden Zimmer, Wasser zum Nachfüllen, Fitnessstudio und Pool.

    Ganz besonders beeindruckte uns das Frühstück: ein großes Buffet mit allem, was man sich vorstellen kann. Nach den pragmatisch gewählten Unterkünften der Wochen zuvor fühlte sich das wie purer Luxus an.

    Die Mahlzeiten im Hotel waren allerdings recht teuer, deshalb suchten wir Alternativen. Wir waren einmal in einem Warung (indonesische Küche), beim Inder (sehr lecker und günstig) und einmal im Tiffany’s, wo wir Spaghetti aßen. Rund ums Hotel findet man zum Glück genug Möglichkeiten.

    Ein wirklich schwieriger Punkt war der Verkehr. Für die 56 km vom Hafen in Padang Bai zum Hotel brauchten wir über zwei Stunden. Reines Stop-and-Go, fast wie in Jakarta. Als wir später von Canggu zurück zum Hotel wollten – keine zehn Kilometer – dauerte es wieder zwei Stunden.

    Ich fragte unseren Taxifahrer, wie es denn in der Hauptsaison sei. Seine Antwort: „You don’t move.“ Das sagt alles.

    Ein Roller wäre die offensichtliche Alternative, aber wir fühlten uns dafür nicht sicher genug. Der Verkehr funktioniert irgendwie, alle nehmen Rücksicht, aber als Europäer ist man das nicht gewohnt. Wir sahen zwar wenige Unfälle, aber gerade Tourist*innen scheinen oft überfordert. Ich würde in Kuta/Bali definitiv nicht selbst Roller fahren.

    Die Taxifahrten hatten aber auch ihre schönen Seiten, denn wir kamen ins Gespräch. Ein Fahrer erzählte, er sei früher ein „Bad Boy“ gewesen, jetzt aber ein „Good Boy“, dank seines Yogalehrers, der ihm viele Weisheiten mitgebe.

    Durch ihn konnten wir einiges rund um den Hinduismus besser verstehen. Hinduistische Symbole sind überall präsent: Statuen, Tempel, kleine Schälchen mit Opfergaben. Anna: Ich hatte vorher schon darüber gelesen, aber seine Erklärungen machten vieles klarer.

    Besonders interessant fanden wir seinen Vergleich zwischen indischem und indonesischem Hinduismus:

    „In Indien a cow is God; in Indonesien a cow is a cow.“

    Indonesien insgesamt hat bei uns tiefe Spuren hinterlassen. Die Begegnungen waren oft geprägt von echtem Interesse, Respekt und einer erstaunlichen Intensität, die wir sehr genossen haben.

    Kuta gilt als Zentrum der Digital Nomads, der jungen Menschen, die arbeiten, feiern und in Beach Clubs gehen. Wir schauten uns Canggu an und waren erschrocken: ein wenig attraktiver Strand, Müllfelder, Abwassereinleitungen ins Meer.

    Durch manche Stellen muss man buchstäblich hindurchlaufen – es sei denn, man nähert sich den teuren Beach Clubs von der Straßenseite und bleibt dort.

    Diese Clubs haben oft hohe Mindestverzehrbeträge. Auf dem Schild von Finns Beach Club steht: „World´s Best Beach Club.“

    Der Anspruch ist groß. Doch sie liegen nicht direkt am Strand, sondern teils 50 Meter davon entfernt, abgegrenzt durch Mauern. Man ist nicht am Meer, sondern in einer Poollandschaft in einem abgegrenzten Bereich.

    Wir konnten kaum nachvollziehen, warum diese Gegend so populär geworden ist. Der Kontrast zu Gili Air war riesig. Am Ende waren wir froh, dass wir nur kurz auf Bali waren, bevor es weiter nach Australien ging.

    Eine wirklich schöne Erfahrung machten wir im Tiffany’s, einer kleinen Bar etwa 50 Meter vom Harris entfernt. Dort sprachen wir mit Danny und Belinda, die die Bar erst vor drei Monaten eröffnet hatten. Danny ist Deutscher, sein Vater lebt seit Jahren in Labuan Bajo auf Flores, einer Insel mit wunderschönen Tauchgebieten.

    Danny lernte Belinda, Flugbegleiterin, auf einem Flug kennen – und seit drei Jahren sind die beiden ein sehr harmonisches Paar.

    Abends kamen oft andere Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in die Bar und sangen Karaoke – auf beeindruckend hohem Niveau.

    Belinda erklärte mir, dass Singen Teil des Bewerbungsverfahrens bei Fluggesellschaften sei. Deshalb üben sie viel. Anna: Eine junge Frau sang so unfassbar gut, dass sie mich komplett umgehauen hat.

    Berthold: Mit Danny führte ich mehrere tiefgehende Gespräche. Seine Aussage „Irgendwann sind wir alle wieder 25“ blieb hängen. Das entspricht genau meinem Gefühl: Wie schön es ist, wenn Alter keine Rolle spielt und Menschen sich auf Augenhöhe begegnen.

    Unsere Eindrücke aus Kuta und Denpasar sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt von Bali, aber wir fühlten uns dort nicht wirklich wohl. Die Region wächst extrem schnell, überall wird gebaut, und manches wirkt außer Kontrolle geraten.

    Später trafen wir in Australien den Schweizer Liedermacher Büne Huber und seine Familie, die zwei Wochen lang ein Haus mitten in Bali gemietet hatten und sich dort sehr wohl fühlten. Das ist sicher eine gute Alternative.

    Das waren unsere fünf Tage in Kuta Bali – intensiv, widersprüchlich, voller Begegnungen und Eindrücke, die uns lange begleiten werden.

  • Lombok & Gili Air 2025 – Eindrücke, Erfahrungen, Tipps

    Wir waren vom 29. September bis zum 1. November 2025 auf Lombok und Gili Air. Die Reise war abwechslungsreich und spannend:

    sehr schöne Orte, freundliche Menschen, gute Erlebnisse – aber auch Dinge, die uns überrascht und teilweise frustriert haben.

    Hier unsere Eindrücke, Erfahrungen und Tipps.


    1. Sekotong – ruhig, entspannt, viel Natur

    Wir sind im Westen Lomboks, in Sekotong, gestartet. Still, abgeschieden, kleine Dörfer, wenig Tourismus. Gute Gegend, um anzukommen und runterzufahren.

    Unterkunft: Sunset Bay Resort – 40€/Nacht 

    • kleine Apartments, jedes mit eigenem Pool
    • vier Nächte

    Wir waren mit dem Roller unterwegs, haben Strände besucht, Restaurants getestet und uns umgeschaut. Wir haben im „Cocotinos“ Ju kennengelernt – sehr netter Kontakt,

    Video „3 Minuten Leben – Ju aus Lombok“ bei YouTube und Instagram veröffentlicht:

    Schnorcheln & Secret Gilis

    Privater Schnorcheltrip zu den Secret Gilis (z.B. Gili Layar) mit Rauf und Sam.
    – Schöne Unterwasserwelt, viele Fische, Schildkröten.
    – Gleichzeitig deutlich sichtbarer Müll, auch im Wasser.

    – Drohnenaufnahmen gemacht, kleines Missgeschick, Drohne mangels Akku kurz vor der Landung abgestürzt.

    Video bei YouTube:

    Eindruck

    Wunderschöne Natur, ruhiger Start – aber Müll ist ein großes Thema. Uns hat das dort zum ersten Mal richtig beschäftigt. YouTube:

    2. Blongas – viel Ruhe, große Pläne

    Nach Sekotong ging es nach Blongas. Ruhige Bucht, wenig los. Für vier Tage Ruhe absolut okay, auch hier: viel Müll im Alltag sichtbar. Man verpasst nichts, wenn man den Ort auslässt.

    Unterkunft: Belongas Bay Resort – 40€/Nacht mit Frühstück

    • komfortable Bungalows auf gepflegter Anlage
    • drei Nächte

    3. Kuta Lombok – lebendiger Ort mit Höhen und Tiefen

    Danach sind wir nach Kuta (Lombok).
    Komplettes Kontrastprogramm: belebt, viele Roller, viele Restaurants, Tourismuszentrum. Auch in der Low Season ziemlich viel Betrieb.

    Unsere Unterkunft

    • High Five Villa – 27€/Nacht ohne Frühstück
    • 7 Nächte
    • gut, aber neben sehr lauter Reggae-Bar

    Essen & Cafés – unsere Empfehlungen

    • Kenza Café – gutes Essen, einmal in der Woche Party
    • Milk Espresso – gute Bar Zum Frühstücken
    • Radio Café – chillige Bar
    • Cantina Mexicana – lebendig, Mexican Food
    • Mandalika Beach Club – Beach Club mit Mindestverzehr

    Aktivitäten

    • Strände in der Umgebung besucht (Mandalika Beach, Pantai Tanjung Aan, Pantai Mawun, Pantai Selong Belanak!!!!

    Pantai Mawun, Mandalika Beach Club

    • Paragliding (Skylancing Lombok) ausprobiert → günstig (30€/Person), super organisiert, gute Erfahrung

    Was uns nicht gefallen hat

    • sehr laute Nächte (Live-Musik teils bis 2:30 Uhr)
    • viele Kinder, die nachts Armbänder verkaufen → Kinderarbeit sichtbar und normalisiert
    • viel Verkehr, Scooter überall

    Kinder halten sich nachts auf den Straßen auf und verkaufen Armbänder.

    Unterm Strich: gute Base, tolle Cafés & Aktivitäten, aber hektisch und teilweise belastend.

    4. Selong Belanak – schöne Auszeit

    • Strandtag in Selong Belanak, mit dem Scooter 30 Minuten von Kuta
    • Übernachtung im Ola Ola Lombok – 28€/Nacht mit Frühstück
    • sehr schöne Anlage, aber abends/nachts hört man die Scooter
    • Surfschulen, entspannte Stimmung, gutes Essen.
    • Besonders gut gefallen: Sempiak Resort Beachbar (Laut Biru Bar: auch als Nicht-Gast zugänglich).
    • Dazu eine lokale Recycling-Kunstinitiative (Plastik Kembali) – sehenswert: https://www.plastikkembali.com

    Ola Ola in Selong Balank, Laut Biru Bar, Plastik Kembali

    5. Tetebatu – Natur & Dorfleben

    Zum Abschluss waren wir in Tetebatu. Kleine Bungalows zwischen Reisfeldern, ruhiger Ort, sehr herzliches Umfeld.

    Unterkunft: Hidden Villas – 19€/Nacht mit Frühstück

    • 4 Nächte
    • mitten in den Reisfeldern
    • laut, da einige Moscheen in der Nähe
    • Besichtigung von Reisfeldern
    • Monkey Forest und Wasserfälle
    • Wasserfall Benang Kelambu (sehr empfehlenswert)
    • Dorfbesuch, Produktion von Kokosöl/Kaffee (nicht gemacht)

    Besonderes Erlebnis: Wir sind zufällig in einen traditionellen Hochzeitsumzug geraten – sehr offene und freundliche Begegnungen.

    • Interview mit Indra über Gleichbereichtigung von Frauen in Indonesien:

    6. Rinjani-Trek

    Ich (Berthold) habe den Crater Rim Trek ab Sembalun gemacht. Start auf 1100 m, Übernachtung am Kraterrand, schöne Aussicht, anstrengend.
    Anna blieb in Senaru (Embun Homestay – 10€/Nacht) und hatte dort eine sehr gute Zeit mit der Gastfamilie.

    • Es gibt drei Routen von Senaru/Sembalun aus, plus eine von Tete Batu aus.
    • Die Sembalun Route hat am wenigsten Höhenmeter: Von Sembalun (1156m) bis Craterrim (2639m), bis Rinjani Summit (3726m, nicht gemacht)
    • Eine Übernachtung am Kraterrand im Zelt (Boden sehr hart, Matte dünn)
    • Sonnenaufgang am Kraterrand und Aussicht sehr schön
    • Aufstieg sehr anstrengend, z.T. rutschiger Untergrund
    • Kosten: ca. 160€, einschließlich Übernachtung und Transport

    Es gibt ein Youtube Video:

    7. Gili Air – idyllische Insel ohne Motorenlärm

    Die letzten zwei Wochen haben wir auf Gili Air verbracht
    Insel zum Entspannen: keine Autos, stattdessen E-Scooter und Pferdekutschen, viele Strand-Restaurants. Da wir in der Low Season da waren, herrschte nicht so viel Betrieb.

    Unsere Unterkünfte

    • Matahari Bungalows 2 (10 Nächte) – 18€/Nacht mit Frühstück, Klimaanlage
    • Westseite der Insel (direkt am Meer), daher Sonnenuntergänge
    • einfach, aber für den Preis ok
    • Star Bar Bungalows (5 Nächte) – 18€ pro Nacht mit Frühstück, Klimaanlage
    • Ostseite der Insel, direkt am Meer, Turtels Point
    • einfach, aber für den Preis ok.
    • Hier ist etwas mehr los als auf der Westseite

    Matahari Bungalows 2, Star Bar Bungalows

    Essen & Cafés – unsere Empfehlungen

    • Legend Bar (mittwochs Livemusik mit anschließender Party)
    • Zipp Bar (freitags Livemusik mit anschließender Party)
    • Chill Out Bar
    • Mowies
    • Sands Beach Club
    • Pachamama
    • Bambu Beach Restaurant

    Aktivitäten

    • Strände in der Umgebung besucht
    • Schnorcheln, Korallenriff ist vom Strand aus zu erreichen, Maske und Flossen überall zu mieten
    • Schnorcheltrip mit dem Boot (8€/Person)
    • Spaziergänge über die Insel, alle Orte sind fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen (Letzteres ist manchmal wegen der sandigen Wege schwierig).
    • Massagen (8 – 10€|Stunde)
    • Cook classes (viele unterschiedliche Angebote)

    Anmerkung: Die Fische waren nur für Berthold ein Genuss.

    Was uns besonders gefallen hat

    • Leute sind sehr freundlich, interessiert, zugewandt und selbstbewusst, viele interessante Gespräche
    • Entspannte, chillige Atmosphäre auf der ganzen Insel, viele Palmen
    • Das weitgehend intakte Korallenriff, Turtles
    • Nicht überlaufen
    • keine Autos und keine Motorroller
    • Preis/Leistungsverhältnis

    Was uns nicht so gut gefallen hat

    • Das nicht mehr ganz intakte Korallenriff, Boote und Touristen sowie der Klimawandel bedrohen das Riff sichtlich.
    • Pferde werden nicht geschont.
    • Müll im Inselinneren
    • Bei Ebbe zieht sich das Meer sehr weit zurück.

    Unterm Strich: tolle Insel, tolle Cafés, Restaurants & Aktivitäten, aber auch hier Müllprobleme und Zeichen der Bedrohung des Idylls.

    8. Praktische Hinweise

    Transport

    • Kontakt mit einem Fahrer ab Flughafen → für mehrere Fahrten genutzt
    • Preise immer verhandelt (20 – 25€ für 50 – 90 Km)
    • Scooter oft nötig (besonders in Kuta) → 5€ pro Tag

    Visa-Verlängerung (nötig, wenn man länger als 4 Wochen bleibt)

    Eigentlich in Mataram nötig, aber wir haben ein Büro in Kuta genutzt (teurer, aber unkompliziert → Foto mit Handy, zwei Tage später fertig).

    Frühstück & Unterkünfte

    • Unterkünfte meist einfach, sauber, alles funktional, mit Pool, günstig, gezielte Recherche lohnt sich (Kommentare auf Plattformen genau lesen)
    • Frühstück fast überall: Nasi/Mie Goreng, Pancake oder Omelett + 1 Getränk
    • Extras wie Früchte oder zweiter Kaffee kosten fast immer extra
    • Moscheen
    • Besonders in kleinen Orten viele und sehr laut eingestellte Lautsprecher. Teilweise lange Gebete/Ansprachen, das war für uns ungewohnt und manchmal anstrengend.

    Fazit

    Lombok und Gili Air waren für uns:

    • Natur & Strände → sehr schön
    • Menschen → freundlich, offen
    • Essen → abwechslungsreich möglich (wenn man sucht)
    • Aktivitäten → top
    • Realitätsthemen → Müll, Luftverschmutzung durch Müllverbrennung, Kinderarbeit, Verkehr sichtbar und teilweise belastend.

    Trotzdem: wir sind froh, dort gewesen zu sein! YouTube:

  • Jakarta

    Hier folgen in Kürze unsere Einträge.

  • Gardenroute

    Am 16. September haben wir Kapstadt verlassen und sind mit unserem nagelneuen Mietauto (18€ pro Tag), einem VW Polo, Richtung Kap der Guten Hoffnung aufgebrochen. Die Fahrt entlang der Panoramaroute war atemberaubend – türkisblaues Meer, wilde Felsen, kräftiger Wind.

    Für den Nationalpark mussten wir 25 € Eintritt zahlen – ehrlich gesagt, ganz schön viel dafür, dass man am Ende „nur“ den berühmten Namen und das Schild zu sehen bekommt. Natürlich haben wir auch vor diesem Schild gestanden.

    Trotzdem: Der Ort hat Magie. Die Wellen krachen gegen die Felsen, der Wind pfeift, die Luft riecht nach Salz. Die Besucherzahlen waren enorm: gefühlt 95 % asiatische Reisegruppen, hauptsächlich aus China. Wir sind danach noch hoch zum Leuchtturm gefahren, haben einen Kaffee im kleinen Restaurant getrunken und einfach die Aussicht genossen.

    Von dort ging es weiter nach Boulders Beach, wo wir eine kleine, sehr charmante Unterkunft direkt am Nationalpark hatten.

    Dort leben die berühmten afrikanischen Pinguine, die so rufen wie Esel – unglaublich laut, aber herrlich zu beobachten.

    Abends, als keine Touristen mehr da waren, konnten wir direkt am Park entlang spazieren gehen und die Tiere aus nächster Nähe erleben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Eintritt zu zahlen und den Pinguinen sehr nah zu kommen.

    Die Unterkunft war ein Glücksgriff – ruhig, mit Meerblick beim Frühstück, und ohne Massentourismus. Anna: Das vegane Kichererbsen-Omelett war ein Highlight. So etwas habe ich noch nirgends gefunden.

    Weiter ging’s zum Lovane Wine Estate bei Stellenbosch. Dort konnten wir nicht nur übernachten, sondern auch eine Weinverkostung genießen. Wir hatten das Glück, dass sich die Managerin Zeit nahm und uns sowohl die Weine erklärte, als auch das Zusammenspiel mit der passenden Schokolade. Später kam noch eine russische Gruppe von 5 Personen dazu, die gehörlos war. Sie waren auf ihren Geschmackssinn angewiesen. Später nutzten sie im Gespräch mit Anna die russische Lautsprache. Dadurch war eine schöne Kommunikation möglich.

    Das Frühstück am nächsten Morgen war wie fast überall in Südafrika üppig: frisches Brot, Marmelade, Käse, Bacon, Eier bzw. Omelett, Müsli, frisches Obst – alles, ohne sich entscheiden zu müssen. Diesen Ort mitten in den Weinbergen haben wir als sehr friedlich und angenehm empfunden.

    Von dort fuhren wir nach Hermanus, auf Empfehlung (von Katharina und Ulli) – und es war ein Volltreffer! Für uns ist Hermanus die schönste Stadt an der Garden Route: charmant, künstlerisch, lebendig.

    Wir spazierten ans Meer, suchten uns ein Restaurant, fragten den Kellner, ob man hier wirklich Wale sehen könne. Er grinste, ging ein paar Schritte mit uns – und tatsächlich: direkt vor dem Restaurant tauchten die ersten Wale im Meer auf!

    Whale watching point

    Auberge Burgundy

    De Kelders: Coffee On The Rocks

    Auch die Menschen in Hermanus waren außergewöhnlich herzlich. Anna wurde sogar einmal von einer Bedienung umarmt, einfach weil sie sich gut verstanden hatten – kein touristischer Reflex, sondern ehrliche Wärme.

    Berthold: Ich hatte zuvor in einem Artikel gelesen, Südafrikaner seien „unheimlich freundlich“. Ganz so pauschal stimmt das nicht – viele Begegnungen sind eben Teil des Service. Aber wenn man Menschen auf Augenhöhe begegnet, bekommt man echte Herzlichkeit zurück. Das haben Anna und ich oft erlebt.

    Anna: In einem Restaurant lernte ich Michelle kennen, unsere Bedienung. Sie bot mir spontan eine kleine Führung an – zeigte mir die Weinwand, den zweiten Gastraum, die Terrasse – und erzählte von ihrem Alltag. Als wir über die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sprachen, sagte sie leise: Sie arbeite gern dort, weil ihre Chefs sie gut behandeln. Aber bei früheren Arbeitgebern hätte sich oft nur ausgehalten, ist ruhig geblieben, obwohl sie sich unfair behandelt gefühlt hätte. Sie brauchte das Geld für ihre Kinder.

    Es ist spürbar, wie tief die alten Strukturen verwurzelt sind. Viele „People of Colour“ verdienen um die 250 € im Monat, manche etwas mehr. Das reicht gerade so zum Überleben, aber nicht, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wir haben oft miteinander, aber auch mit anderen Menschen darüber diskutiert, wie ein höheres Gehalt ermöglicht werden kann. Es gibt Ideen, aber keine wirkliche Lösung.

    Von Hermanus fuhren wir weiter bis zum südlichsten Punkt Afrikas, dem Cape Agulhas. Zufällig war das Eingangstor des Nationalparks im Umbau – wir mussten keinen Eintritt zahlen.

    Cape Agulhas – Wo sich der Indische und Atlantische Ozean treffen

    Übernachtet haben wir im kleinen Ort Arniston, im „Blue Sky“ – alles in Blau und Weiß gehalten, sehr liebevoll gestaltet. Auch hier haben wir uns sehr wohl gefühlt.

    Am nächsten Tag sind wir noch an die Küste gefahren. Es war Samstag. An einem Grillplatz standen 4 Minivans. Es wurde gegrillt, Kinder spielten ausgelassen im Meer, laute Musik ertöne, es wurde getanzt – Lebensfreude pur, es waren Black People.

    Für uns ging es ins Landesinnere nach Oudtshoorn. Die Route führt durch die Kleine Karoo, eine Halbwüste mit atemberaubenden Landschaftswechseln – von grünen Tälern in steinige Steppe, dann in fast wüstenhafte Weite. Die „Route 62“ war insbesondere für die Motorradfahrer eine interessante Strecke.

    Die Stadt ist für ihre Jahrhunderte alte Straußenzucht bekannt. Wir hatten nicht die Zeit, die wirkliche Schönheit des Ortes zu entdecken.

    Nach einer langen Fahrt erreichten wir Plettenberg Bay – bei grauem Himmel und müden Gesichtern. Doch die Begrüßung im Hotel war so herzlich, dass der graue Tag vergessen war.

    Wir lernten Abigail und John aus Zimbabwe kennen, sowie Caroline, die britische Besitzerin. Sie alle strahlten Wärme und Offenheit aus. Caroline hatte in Australien gelebt, sprach kritisch über die Weltlage und schien wirklich an ihren Mitarbeitern interessiert – und umgekehrt. Es war ein sehr vertrauensvolles Miteinander zu spüren.

    Wir wanderten zur Küste und trafen unterwegs zufällig auf eine große Familie in traditionellen Kleidern, die gerade ein „Heritage Event“ feierte. Wir wurden spontan gebeten, ein paar Worte zu sagen – und landeten mitten in einer fröhlichen, generationsübergreifenden Feier. Musik, Lachen, Fotos – ein wunderschöner Moment.

    Abends aßen wir in dem Restaurant Fat Fish, das z.T. um einen Felsen gebaut war – ein spannender architektonischer Mix. Allerdings fiel auf, dass drei weiße Männer den Service führten, während schwarze weibliche Mitarbeiterinnen eher im Hintergrund standen und Hilfstätigkeiten leisteten. So freundlich die Atmosphäre war, die gesellschaftlichen Rollen waren sichtbar und es war klar, wer das wichtige Trinkgeld bekam.

    Das Robberg Nature Reserve war unser nächstes Ziel – die Hauptattraktion in der Gegend. Es gibt dort drei Wanderwege: 2 km, 5 km und 9 km. Anna wählte den kurzen, ich den langen Weg – passend zu unseren Bedürfnissen.

    Mein Weg führte entlang der Klippen bis zum „Point“. Unterwegs hörte und roch man schon die Robben, bevor man sie sah. Zum Glück hatte ich meine große Kamera dabei.

    Unten am Wasser war es wild und wunderschön – Wind, Gischt, Felsen. Der Rückweg war anstrengend, aber lohnend: 9 km pure Natur.

    Begegnung mit John – Drei Minuten Leben

    Zurück in der Unterkunft sprach ich noch einmal lange mit John. Er verdient monatlich rund 500 € für sechs Tage Arbeit pro Woche. Für südafrikanische Verhältnisse ist das viel, aber es bleibt ein hartes Leben. Er erzählte offen, das er und seine Familie in dem Township, in dem sie leben, schon häufig körperlich bedroht wurden, weil sie nach den Vorstellungen der südafrikanischen Nachbarn, ihnen die Jobs wegnehmen. John machte mehrfach deutlich, dass er irgendwann auswandern möchte, vielleicht nach Europa, um seinen Kindern ein besseres Leben bieten zu können.

    Ich fragte, ob er Lust hätte, ein kleines Interview für ein neues Format zu machen – „Drei Minuten Leben“. Drei Fragen, drei ehrliche Antworten. Er sagte sofort ja. Vielleicht wird daraus einmal eine kleine Serie – über Begegnungen, die bleiben.

    Abschied von Südafrika

    Morgen fahren wir zurück nach Kapstadt, geben das Auto ab und fliegen weiter – über Doha nach Jakarta. Indonesien wartet schon.

    Diese Wochen in Südafrika waren intensiv – voller Schönheit, Widersprüche, Begegnungen und Gedanken.

    Es ist kaum zu fassen, wie viel dieses Land in einem bewegt.

  • Capetown

    Am 10. September sind wir in Kapstadt gelandet. Dort standen wir in einer ewig langen Schlange bei der Passkontrolle, ca. zwei Stunden lang, bis wir durch waren. Offenbar waren mehrere große Flieger gleichzeitig angekommen.

    Anschließend wollten wir uns in Ruhe ein Taxi bestellen, wurden aber gefühlt tausend Mal gefragt, ob wir eins brauchen. Zum Glück hatten wir die Uber-App, die Fahrdienste zu einem sehr günstigen Preis anbietet, schon aktiviert. Der Fahrer war freundlich und brachte uns sicher zu unserem Apartment.

    Unsere Unterkunft lag am Ocean View Drive und hieß auch so – tatsächlich mit Ocean View. Vom Balkon aus sah man das Stadion, dass für die WM 2010 eine wichtige Rolle spielte und sogar die Meeresküste.

    Der Stadtteil „Green Point“ gilt als sicher, und das merkten wir auch: Drei gesicherte Tore mussten wir öffnen, um überhaupt ins Apartment zu kommen.

    Das Appartement war mit allem Nötigen eingerichtet – sogar ein paar Kleinigkeiten von der Vermieterin wie Müsli, Milch und Kaffee standen bereit. Nur der modrige Geruch störte. Trotzdem: Für den Preis und die Lage war es absolut okay.

    Am ersten Tag sind wir einfach Richtung Meeresküste losgelaufen. Schon nach wenigen Minuten fiel auf: Jedes Haus ist hier wie eine Festung. Hohe Mauern, Elektrozäune, Warnschilder. Offenbar gibt es Nachbarschaftsinitiativen, die regelmäßig Patrouille fahren.

    Anna: „Ich habe mich gefragt, wie es ist, so zu leben – immer hinter Mauern, immer auf den Stacheldraht schauen zu müssen“.

    Die Promenade wirkte auf uns nicht besonders einladend, überall dieser beißende Geruch nach Urin. An vielen Stellen sah man obdachlose Menschen, von denen einige offensichtlich Drogen konsumierten und die am Strand oder auf der Straße schliefen. Das war schwer auszuhalten.

    Nach etwa vier Kilometern änderte sich alles: Plötzlich war alles sauber, gepflegt, fast wie eine andere Welt. Die V&A Waterfront. Riesenrad, Restaurants, Musik, Bars, Kunsthandwerk, Touristen, Wohlstand. Eine heile Welt???

    Wir aßen Tapas, Berthold ein richtig gutes Filetsteak –bezahlbar und köstlich. Die Victoria & Alfred Waterfront (benannt nach einem früheren englischen Königspaar) ist wunderschön angelegt.

    Am Nachmittag sahen wir in der Nähe des Aquariums Robben, die sich auf einer Plattform sonnten.

    Ganz in der Nähe liegt auch der Farmers Market – samstags und sonntags geöffnet – ein echtes Highlight! Kulinarisch, visuell, menschlich.

    Natürlich durfte der Tafelberg nicht fehlen. Sobald die Sonne schien und das Grau in Grau vergessen ließ, buchten wir online die Tickets für die Seilbahn, die uns nach oben bringen sollte. Wir wurden von einer superlangen Warteschlange begrüßt und mussten drei Stunden warten, bis wir in die Gondel konnten. Oben angekommen war alles vergessen.

    Diese Weite, das Licht, die Heidelandschaft, der Blick – atemberaubend. Die vielen Menschen verteilten sich gut. Wenn Nebel oder Wolken aufziehen, wirkt es dort fast märchenhaft. 

    Abends landeten wir auf einer Partystraße (Longstreet). Die Stimmung war in vielen Internetbeiträgen als großartig beschrieben. Das konnten wir so nicht feststellen. Es war eher trist, die laute Musik aus den Bars konnten die Leere nicht übertönen.

    Nach einigem Hin- und Her gingen wir ins „Mama Africa“, wo wir uns an die Theke setzten. Die Band war erstaunlich gut und hatte eine tolle Ausstrahlung! Es gelang ihr aus den einzelnen Besuchergruppen ein fröhliches Publikum zu formen. Auch die Mitarbeiterinnen haben spontan eine Einlage gegeben.

    Die Menschen kamen vor allem aus afrikanischen Ländern wie Botswana, Simbabwe, Kenia, aber auch den USA, Australien, Großbritannien. Wir kamen mit einigen Gästen und Musikern ins Gespräch.

    Ein Musiker erzählte uns später leise, dass er eigentlich aus Simbabwe stammt, das aber nicht öffentlich sagen wollte, weil Simbabwer in Südafrika oft diskriminiert werden. Das hat uns sehr berührt.

    Ein paar Tage später fuhren wir Richtung Westen – Clifton Beach und Camps Bay. Eine traumhafte Strecke. Von Clifton nach Camps Bay liefen wir einige Kilometer an der Promenade entlang und hatten eine tolle Aussicht! Dann fielen uns auch die teuren Autos, Designerbars, gigantische Villen auf, die von offensichtlich wohlhabenden Weißen genutzt wurden. Der Strand wurde von sehr unterschiedlichen Menschengruppen besucht, aber in den Restaurants und Bars hielten sich fast nur Weiße auf.

    Das Bild von Capetown liefert Gegensätze. Hier Villen, so teuer wie nirgendwo sonst in Afrika, reihenweise Automarken wie Lamborghini und Porsche, Bars, in denen nur Weiße feiern. Auf der anderen Seite, wenn man zum Flughafen fährt, Slums, in denen Migranten leben, die versuchen, irgendwie Fuß zu fassen oder auch vielleicht aufgegeben haben. Insbesondere an den Ampelkreuzungen bettelnde Menschen, die sich nicht anders zu helfen wissen.

    Diese Diskrepanz war schwer zu übersehen. Trotzdem – wir fühlten uns sicher und hatten eine gute Zeit, allerdings mit einem bitteren Beigeschmack.

    Zum Abschluss unserer Reise haben wir noch bei Suzie und Willy in der Nähe des Flughafens übernachtet. Zwei wunderbare Menschen über 70, die sich ihren Traum erfüllt haben und seit einigen Jahren ein kleines Guesthouse mit Restaurant führen.

    Am Abend erzählten sie offen von der Apartheid – wie es damals war und wie viel sich seitdem verändert hat. In ihrem Restaurant hängt heute noch ein altes Schild: „Slegs Blankes“ (Whites Only). Sie haben es umgedreht und daneben eine Regenbogenfahne aufgehängt, als Zeichen dafür, dass heute jeder bei ihnen willkommen ist. Das fanden wir unglaublich berührend.

    Willy sagte, Südafrika sei auf einem langen Weg der Normalisierung. Es gibt Fortschritte, aber nicht so schnell, wie man es sich wünschen würde. Manche Maßnahmen – wie Quoten an Universitäten – funktionieren nicht wie geplant, weil viele Jugendliche gar nicht die Voraussetzungen haben, erfolgreich einen Abschluss zu machen. Man müsste viel früher ansetzen. Trotzdem würde sich etwas bewegen.

    Kapstadt ist widersprüchlich:

    • Eine schöne Natur, besonders die Strände und der Tafelberg
    • Architektonisch ansprechende Häuser, aber mit Elektrozäunen gesichert
    • ein tolles gastronomisches Angebot mit einem für Europäer günstigem Preisniveau
    • tolle Bars, in denen aber fast nur Weiße sind
    • Vermüllte Slums, die ein menschenwürdiges Leben ausschließen
    • Obdachlose und drogensüchtige Menschen in den Straßen
    • sichtbare und fühlbare Armut und Perspektivlosigkeit

    Kapstadt – schön und schwer zugleich

    Kapstadt ist eine Stadt voller Gegensätze – bunt, lebendig, laut, herzlich, manchmal bedrückend. Es gibt unendlich viel zu entdecken: Streetfood, Märkte, Musik, Kunst.

    Die Menschen sind freundlich, und wenn man ihnen offen begegnet, bekommt man ehrliche Herzlichkeit zurück.

    Anna: Ich muss aber ehrlich sagen: Mich hat die Ungerechtigkeit hart getroffen. Ich war richtig niedergeschlagen, fast depressiv. Diese Mischung aus Schönheit und Elend war schwer zu ertragen.