Kuta auf Bali

Unsere Zeit in Kuta Bali, vom 1. bis 5. November 2025, begann mit der Überfahrt von Gili Air nach Padang Bai und dem bereits im Voraus gebuchten Transfer nach Kuta. Die Fahrt sollte insgesamt 35 €/Person kosten. Wir genossen den weiten Blick auf den Ozean. Auf dem Boot lernte ich einen indischen Anwalt kennen, mit dem ich mich lange unterhielt. Irgendwann fragte ich ihn geradeheraus, ob er reich sei – er sagte lachend „Ja“, er habe 28 Angestellte und sein Büro arbeite für die Regierung. Außerdem erzählte er, dass sie auf dem Hinweg Delfine gesehen hätten. Wir leider nicht.

Als wir ankamen, ging alles sehr schnell. Agenten kamen direkt aufs Boot, holten uns ab und führten uns zu Sammelpunkten, an denen der Transfer stattfinden sollte.

Im Nachhinein glaube ich, dass sie uns vor den vielen anderen Anbietern schützen wollten, die dort aggressiv um Kundschaft werben. Der Hafen ist ein richtiger Umschlagplatz, an dem viel Geld mit Transporten verdient wird.

Obwohl wir den Transfer nach Kuta schon bezahlt hatten, versuchte man, uns erneut zur Kasse zu bitten – und schaffte es auch. Da man uns sagte, wir würden wohl erst gegen 9 Uhr abends (knapp 8 Std. später) im Hotel sein, weil noch weitere Gäste eingesammelt werden müssten, begannen verschiedene Fahrer sofort, uns Taxitransfers anzubieten. Die Preise starteten bei 2 Millionen Rupien, also etwa 100 €. Anna:  Ich musste einfach lachen.

Dann wurden die Preise immer weiter gesenkt. Am Ende standen 450.000 Rupien im Raum, etwa 23 €. Da wir nicht länger in der prallen Sonne warten wollten, nahmen wir das Angebot an.

In Kuta angekommen, zogen wir ein erstes Fazit. Das Geschäft mit Touristen läuft hier auf Hochtouren, und vieles ist darauf ausgelegt, möglichst viel Geld zu verdienen.

Anna hatte ein flughafennahes Hotel herausgesucht – das Harris. Wir buchten es für vier Nächte und waren positiv überrascht. Für rund 35 € pro Nacht bekamen wir ein schönes Hotel mit angenehmer Atmosphäre, einem kleinen, aber völlig ausreichenden Zimmer, Wasser zum Nachfüllen, Fitnessstudio und Pool.

Ganz besonders beeindruckte uns das Frühstück: ein großes Buffet mit allem, was man sich vorstellen kann. Nach den pragmatisch gewählten Unterkünften der Wochen zuvor fühlte sich das wie purer Luxus an.

Die Mahlzeiten im Hotel waren allerdings recht teuer, deshalb suchten wir Alternativen. Wir waren einmal in einem Warung (indonesische Küche), beim Inder (sehr lecker und günstig) und einmal im Tiffany’s, wo wir Spaghetti aßen. Rund ums Hotel findet man zum Glück genug Möglichkeiten.

Ein wirklich schwieriger Punkt war der Verkehr. Für die 56 km vom Hafen in Padang Bai zum Hotel brauchten wir über zwei Stunden. Reines Stop-and-Go, fast wie in Jakarta. Als wir später von Canggu zurück zum Hotel wollten – keine zehn Kilometer – dauerte es wieder zwei Stunden.

Ich fragte unseren Taxifahrer, wie es denn in der Hauptsaison sei. Seine Antwort: „You don’t move.“ Das sagt alles.

Ein Roller wäre die offensichtliche Alternative, aber wir fühlten uns dafür nicht sicher genug. Der Verkehr funktioniert irgendwie, alle nehmen Rücksicht, aber als Europäer ist man das nicht gewohnt. Wir sahen zwar wenige Unfälle, aber gerade Tourist*innen scheinen oft überfordert. Ich würde in Kuta/Bali definitiv nicht selbst Roller fahren.

Die Taxifahrten hatten aber auch ihre schönen Seiten, denn wir kamen ins Gespräch. Ein Fahrer erzählte, er sei früher ein „Bad Boy“ gewesen, jetzt aber ein „Good Boy“, dank seines Yogalehrers, der ihm viele Weisheiten mitgebe.

Durch ihn konnten wir einiges rund um den Hinduismus besser verstehen. Hinduistische Symbole sind überall präsent: Statuen, Tempel, kleine Schälchen mit Opfergaben. Anna: Ich hatte vorher schon darüber gelesen, aber seine Erklärungen machten vieles klarer.

Besonders interessant fanden wir seinen Vergleich zwischen indischem und indonesischem Hinduismus:

„In Indien a cow is God; in Indonesien a cow is a cow.“

Indonesien insgesamt hat bei uns tiefe Spuren hinterlassen. Die Begegnungen waren oft geprägt von echtem Interesse, Respekt und einer erstaunlichen Intensität, die wir sehr genossen haben.

Kuta gilt als Zentrum der Digital Nomads, der jungen Menschen, die arbeiten, feiern und in Beach Clubs gehen. Wir schauten uns Canggu an und waren erschrocken: ein wenig attraktiver Strand, Müllfelder, Abwassereinleitungen ins Meer.

Durch manche Stellen muss man buchstäblich hindurchlaufen – es sei denn, man nähert sich den teuren Beach Clubs von der Straßenseite und bleibt dort.

Diese Clubs haben oft hohe Mindestverzehrbeträge. Auf dem Schild von Finns Beach Club steht: „World´s Best Beach Club.“

Der Anspruch ist groß. Doch sie liegen nicht direkt am Strand, sondern teils 50 Meter davon entfernt, abgegrenzt durch Mauern. Man ist nicht am Meer, sondern in einer Poollandschaft in einem abgegrenzten Bereich.

Wir konnten kaum nachvollziehen, warum diese Gegend so populär geworden ist. Der Kontrast zu Gili Air war riesig. Am Ende waren wir froh, dass wir nur kurz auf Bali waren, bevor es weiter nach Australien ging.

Eine wirklich schöne Erfahrung machten wir im Tiffany’s, einer kleinen Bar etwa 50 Meter vom Harris entfernt. Dort sprachen wir mit Danny und Belinda, die die Bar erst vor drei Monaten eröffnet hatten. Danny ist Deutscher, sein Vater lebt seit Jahren in Labuan Bajo auf Flores, einer Insel mit wunderschönen Tauchgebieten.

Danny lernte Belinda, Flugbegleiterin, auf einem Flug kennen – und seit drei Jahren sind die beiden ein sehr harmonisches Paar.

Abends kamen oft andere Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in die Bar und sangen Karaoke – auf beeindruckend hohem Niveau.

Belinda erklärte mir, dass Singen Teil des Bewerbungsverfahrens bei Fluggesellschaften sei. Deshalb üben sie viel. Anna: Eine junge Frau sang so unfassbar gut, dass sie mich komplett umgehauen hat.

Berthold: Mit Danny führte ich mehrere tiefgehende Gespräche. Seine Aussage „Irgendwann sind wir alle wieder 25“ blieb hängen. Das entspricht genau meinem Gefühl: Wie schön es ist, wenn Alter keine Rolle spielt und Menschen sich auf Augenhöhe begegnen.

Unsere Eindrücke aus Kuta und Denpasar sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt von Bali, aber wir fühlten uns dort nicht wirklich wohl. Die Region wächst extrem schnell, überall wird gebaut, und manches wirkt außer Kontrolle geraten.

Später trafen wir in Australien den Schweizer Liedermacher Büne Huber und seine Familie, die zwei Wochen lang ein Haus mitten in Bali gemietet hatten und sich dort sehr wohl fühlten. Das ist sicher eine gute Alternative.

Das waren unsere fünf Tage in Kuta Bali – intensiv, widersprüchlich, voller Begegnungen und Eindrücke, die uns lange begleiten werden.

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